Gutachten liefert umfassendes Maßnahmenpaket zur Lärmreduzierung im Schienenverkehr

Rund 2,5 Millionen Menschen sind in Deutschland stark durch Schienenverkehrslärm belastet, in der Nacht sogar rund vier Millionen: Tendenz steigend aufgrund der Zunahme des Schienenverkehrs, die als zentrale Säule der deutschen Klimapolitik gilt. Doch es könnte mit umfassenden, aber nicht teuren Lärmschutzmaßnahmen gelingen, die Zahl der Betroffenen deutlich zu reduzieren. Dies würde entscheidend zum Erfolg der Verkehrswende beitragen. Darauf weist ein Gutachten von IGES Mobility hin.

Hamburg, 17. November 2025 (IGES Institut) - Das Forschungsgutachten „Verkehrswende und Konzept für einen leiseren Schienenverkehr bis 2030" wurde von IGES Mobility unter der Projektleitung von Prof. Kay Mitusch in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Schienenfahrzeuge der TU Berlin, geleitet von Prof. Markus Hecht, sowie Prof. Eckhard Pache von der Juristischen Fakultät der Universität Würzburg erstellt. Beauftragt hatte es das Umweltbundesamt, verschiedene Bundesministerien und -ämter begleiteten es.

Lärmschuztmaßnahmen setzen direkt bei den Akteuren des Eisenbahnsektors an

Das Gutachten entwickelt ein umfassendes Lärmschutzkonzept für alle drei Schienenverkehrsarten – Schienenpersonennahverkehr, -personenfernverkehr und -Güterverkehr – sowie die zugehörige Infrastruktur und Abstellanlagen. Die Handlungsempfehlungen umfassen sowohl allgemeine Reformen des rechtlichen und institutionellen Rahmens als auch spezifische technische und betriebliche Maßnahmen, die direkt von den Akteuren des Eisenbahnsektors umgesetzt werden können. Der Schwerpunkt liegt dabei auf kostengünstigen Maßnahmen und Instrumenten, deren Wirkungen sich vor allem auf die Lärmreduktion an der Quelle konzentrieren.

Einführung einer „glatten Schiene“ vorgesehen

Die zentralen Maßnahmen bei der Infrastruktur umfassen die Einführung einer "glatten Schiene" durch regelmäßige Messung und Bearbeitung der Schienenrauheit. Zudem sollen innovative hochdämpfende Zwischenlagen zwischen Schwelle und Schiene die problematischen elastischen Zwischenlagen ersetzen. Als politisches Instrument wird die Einführung einer Verpflichtung für einen akustisch ordnungsgemäßen Zustand der Eisenbahninfrastruktur vorgeschlagen.

Auf europäischer Ebene sollte sich Deutschland sich für verschärfte Lärmgrenzwerte bei den Fahrzeugen einsetzen. Bei den Fahrzeugen des Schienenpersonennahverkehrs sollte schon deutlich früher eine Lärmminderung greifen, indem die Länder und Aufgabenträger – in Abstimmung mit dem Bund – in den Verkehrsverträgen leise Wagen zur Bedingung machen.

Moderner, lärmarmer Güterwagen empfohlen

Auch die nächtliche Fahrzeugabstellung des Schienenpersonennahverkehrs ist mit einem reformierten Regelwerk in den Lärmschutz einzubeziehen, so das Gutachten. Für den Schienengüterverkehr wird ein "moderner, lärmarmer Güterwagen der Zukunft" empfohlen, der Scheibenbremsen, Räder mit geradem Radsteg, Gleitschutz und geräuscharme Drehgestelle kombiniert. Ein Förderprogramme für lärmarme Güterwagen und ein lärmabhängiges Trassenpreissystem sollten Anreize für den Einsatz solcher Wagen insbesondere im Kombinierten Verkehr schaffen.

Langfristig wird die Ausweitung des Immissionsschutzes auf die Bestandsstrecken vorgeschlagen. Teure Lärmschutzwände müssen laut der Autoren nicht auf Dauer das Landschaftsbild prägen.

Volkswirtschaftlicher Nutzen in Millionenhöhe

Bezüglich des Zeithorizonts zeigt das Gutachten auf, dass die Handlungsempfehlungen ihre Wirkung erst über einen längeren Zeitraum spürbar entfalten werden. Nur dann könnten die Kosten geringgehalten werden. Der volkswirtschaftliche Nutzen der Maßnahmen wird mit 250 bis 600 Millionen Euro pro Jahr veranschlagt.